Die Digitalisierung des Handels hat in den letzten Jahren eine neue Entwicklungsstufe erreicht. Aber bis wohin geht die digitale Transformation, welchen Nutzen hat der Retail und die Kunden und wo geht die Reise hin? Welche Lösungen haben sich durchgesetzt? Wir stellen ein paar Trends vor, von denen wir überzeugt sind.

Kluge Regale, Spider Tags, autonome Filialen.

Künstliche Intelligenz - die wichtigste technologische Entwicklung im Retail.

Internet of Things (IoT) und Künstliche Intelligenz (KI) sind die Basistechnologien des digitalisierten und vernetzten Stores und haben im Handel großes Zukunftspotenzial. Insbesondere in KI sehen die meisten Händler eine große Relevanz. Eine flächendeckende Verbreitung dieser neuen Technologien ist im deutschen Handel zurzeit allerdings noch nicht feststellbar. Viele der Technologien kommen vor allem in einzelnen Filialen im Rahmen von Pilotprojekten zum Einsatz. Aber bei vielen Unternehmen bestehen bereits konkrete Umsetzungspläne: „Der Handel befindet sich in der Entwicklung hin zu Smart Stores aktuell in einer Konzeptions- und Aufbauphase und sucht offensiv nach Lösungen, um mit personalisierten Angeboten zu begeistern und mit KI und IoT Handelsprozesse neu zu erfinden“, so fasst Xenia Giese, Industry Solution Executive Retail & Consumer Goods bei Microsoft Deutschland und Co-Autorin der Studie den zweiten Teil der Analyse zusammen, die das EHI und Microsoft in dem Whitepaper „Smart Store“ zur EuroCIS 2019 veröffentlicht haben.

 

„Kunden können in einer Filiale, deren Regale mit NFC-basierten Electronic Shelf Labels ( ESL) ausgerüstet sind, ihr Smartphone mit entsprechender App oder eine personalisierte NFC-Karte an die elektronischen Regaletiketten halten.“


EHI und Microsoft untersuchen Smart Stores.

Wichtigster technologischer Trend.
Künstliche Intelligenz (KI) wird den Handel maßgeblich verändern, darin besteht unter den Befragten breiter Konsens. So sieht die überwiegende Mehrheit (69%) KI als wichtigsten technologischen Trend der kommenden Jahre. Laut Einschätzung von mehr als der Hälfte (53%) der Händler wird KI vor allem im Bereich der vorausschauenden Datenanalyse (Predictive Analytics) eine tragende Rolle spielen. Besonders Textilhändler könnten von Trendvorhersagen profitieren, um z. B. das richtige Produkt, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit anbieten zu können. Im Einsatz ist KI bereits bei einem knappen Drittel (32%) der Händler, weitere 36% haben konkrete Umsetzungspläne für die nächsten drei Jahre. Ein Fünftel beobachtet das Thema, macht aber noch keine konkreten Pläne hinsichtlich einer Umsetzung, während KI für 12% der Unternehmen aktuell noch keine Rolle spielt.

 

Das Internet der Dinge.
Bei der Einschätzung der Zukunftsrelevanz von Internet of Things-Technologien sind die Befragten noch zurückhaltend. Immerhin betrachten aber 22% der Händler IoT als einen der wichtigsten technologischen Trends der kommenden Jahre. IoT-Anwendungen sind bereits bei 28% der Händler im Einsatz. Weitere 23% planen eine entsprechende Umsetzung in den kommenden Jahren. Ebenfalls 23% geben an, das Thema vorerst nur zu beobachten. Ein Viertel der Händler bemisst IoT-Anwendungen noch keine Bedeutung für das eigene Unternehmen bei.

Intelligente Regale von AWM Smartshelf

Kaum filialübergreifende Lösungen.

Im Bereich der Gebäudetechnik der Filialen kommen intelligente und automatisierte Energiesteuerungssysteme bei fast der Hälfte (46%) der befragten Händler zum Einsatz. Darüber hinaus sind solche Systeme bei 9% der Händler konkret in Planung. Beim Einsatz solcher Energiesteuerungssysteme verfolgen allerdings nur wenige Händler bereits einen filialübergreifenden Ansatz. Bei den meisten Unternehmen sind zunächst nur Teillösungen in Form von Pilotprojekten in einzelnen Filialen im Einsatz. Ein Beispiel ist das Monitoring von Kühlmöbeln, das 36% der Händler nutzen und weitere 5% für die nächsten Jahre planen. Meist beschränkt sich das Monitoring aber vorwiegend noch auf die automatisierte Übermittlung technischer Störungen an Servicepartner.

 

Lösungen, bei denen Filialmitarbeiter z.B. automatisch über einen drohenden Verderb von gekühlter Ware informiert werden, sind bislang nicht im Einsatz.

Smarte Regale bzw. Warenträger (Smart Shelves), d.h. mit Sensorik ausgestattete Möbel, die beispielsweise automatisierte Bestandsmeldungen abgeben und drohende Out-of-Stock-Situationen melden, werden von einem Zehntel der Händler eingesetzt. Der Einsatz beschränkt sich aber auch hier in erster Linie auf einige wenige Pilotprojekte. Zusätzlich planen 21% den Einsatz und ein gutes Drittel (29%) beobachtet das Thema vorerst. Für 40% ist der Einsatz von Smart Shelves noch uninteressant.

 

Quelle: PresseBox - Köln, 20.02.19